Nachfolgeregelung mit chinesischer Beteiligung

  • Von Christian Grandin
  • Okt. 2015
  • Industrie
  • Unternehmensnachfolge/ Verkaufsvorbereitung

Die inhabergeführte Sedant Group aus Beijing hat 75% der Anteile an dem Monheimer Familienunternehmen apt Hiller GmbH erworben. Das Besondere: Die Transaktion erfolgte im Rahmen einer Nachfolgeregelung. Auch konnten die beiden Unternehmen nicht wie sonst häufig auf einer bereits bestehenden Geschäftsbeziehung aufbauen.

Die apt Hiller Group fertigt und veredelt Aluminiumprofile. Die Wertschöpfung reicht vom Recycling über das Strangpressen von Aluminium, die mechanische Weiterbearbeitung bis hin zur Oberfl ächenveredlung und Montage von einbaufertigen Teilen. Die Unternehmensgruppe zählt zu den großen unabhängigen Herstellern in Europa und beliefert Marktführer aus den Segmenten Bau und Architektur sowie Automotive und Industrie. In Monheim am Rhein und Roermond in den Niederlanden produziert apt Hiller jährlich rund 80.000 Tonnen an Aluminiumprofilen.

Die Sedant Group mit Hauptsitz in Beijing ist ein mittelständisches und inhabergeführtes Mischunternehmen. Die 1999 gegründete Gruppe setzt mit rund 1.000 Mitarbeitern fast 500 Mio. EUR um. Sedant zählt in China zu den führenden Herstellern von energieeffi zienten und klimafreundlichen Komponenten für die Bauindustrie und ist darüber hinaus in den Bereichen Immobilienentwicklung, Pkw-Distribution und Financial Investments aktiv.

Die Nachfolgefrage

Die 1972 von Werner Hiller gegründete apt Hiller Group verzeichnete seit der Gründung ein kontinuierliches Wachstum. 1999 übergab Werner Hiller das operative Geschäft an Frans Kurvers und wechselte in den Beirat der apt Hiller GmbH. Frans Kurvers wurde zugleich Gesellschafter mit knapp der Hälfte der Geschäftsanteile, während Werner Hiller Hauptgesellschafter blieb. 2014 beauftragte apt Hiller das Düsseldorfer Beratungsunternehmen Livingstone Partners mit der Beratung und Umsetzung einer Nachfolge lösung für den mittlerweile 81-jährigen Werner Hiller. Der Fokus der Suche sollte sich von Anfang an auch auf potenzielle chinesische Interessenten richten, daher wurde mit Livingstone Partners bewusst ein M&A-Beratungsunternehmen mit einem integrierten deutschchinesischen Beraterteam und Standorten in Deutschland und China gewählt.

Frans Kurvers kommentiert: „Das Livingstone Team hat uns bei dieser Transaktion von Anfang an umfassend und sehr kompetent unterstützt. Seine Präsenz in Europa und China war entscheidend für den erfolgreichen Abschluss.“

Auswahl der Kandidaten

Im Zentrum des M&A-Auswahlprozesses stand die Ermittlung und Bewertung des strategischen Fits potenzieller
Partner. Unter verschiedenen international tätigen Unternehmen kristallisierte sich schließlich die Sedant Group als aussichtsreichster Kandidat heraus. Nach Recherchen von Livingstone Partners sind Transaktionen, bei denen der chinesische Investor vorher keine wie auch immer geartete Beziehung zum betreffenden deutschen Zielunternehmen aufgebaut hat, in der Praxis immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Oftmals bestehen vor Übernahmen durch chinesische Investoren teilweise jahrelange operative Kooperationen, beispielsweise im Bereich Produktion, Vertrieb oder Service, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Ohne Anbahnungsphase

Bei dieser Transaktion gab es diese typische längerfristige Anbahnungsphase jedoch nicht. Durch den Verbleib des geschäftsführenden Gesellschafters mit einem signifi kanten Anteil am Unternehmen konnte das Vertrauen in Unternehmen und Management sichergestellt werden und eine tragfähige Lösung gefunden werden. Im Zuge der mit der Sedant Group umgesetzten Nachfolgelösung schied Werner Hiller als Gesellschafter aus, während der neue chinesische Hauptgesellschafter 75% an dem deutschen Unternehmen erwarb. Die restlichen Anteile hält weiter Frans Kurvers, der als geschäftsführender Gesellschafter und CEO im Unternehmen verbleibt.

Das Ergebnis: Eine „Win-win-win“-Lösung

Mit der gewählten Transaktionsstruktur konnte an erster Stelle die Umsetzung der angestrebten Nachfolgeregelung für Werner Hiller gewährleistet werden. Als Zweites wurde für die apt Hiller Group eine größtmögliche Kontinuität, auch aus Sicht von Mitarbeitern und Kunden, erreicht. Parallel dazu erschließt die Beteiligung der Unternehmensgruppe attraktive Marktpotenziale in China. Als dritter Vorteilermöglichte die gewählte Struktur dem Investor Sedant einen relativ weichen Einstieg im Vergleich zu der denkbaren Alternative einer 100%-Übernahme. Für die Sedant Group bietet die Beteiligung an apt Hiller die Chance, als Technologieunternehmen international zu wachsen und die strategische Ausrichtung u.a. weiter auf umweltfreundliche Baumaterialien auszudehnen.

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Kontakt

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  • Ich habe mich während der gesamten Dauer der Transaktion durch das deutsch-chinesische Team von Livingstone stets gut und professionell beraten gefühlt. Ich hatte immer das Gefühl, dass meine Berater alle zum jeweiligen Zeitpunkt notwendigen Schritte unternommen haben, um meine Interessen sowie die des Unternehmens zu wahren.
    Werner Hiller ehemaliger Hauptgesellschafter , apt Hiller GmbH

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